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HB9V · Funkamateure des Kantons Waadt

DMR-Hotspot für Funkamateure: Kompletter Leitfaden

● 10. Februar 2026 · 9 Min. Lesezeit
MMDVM-Duplex-Hotspot für DMR-Amateurfunk mit Raspberry Pi und zwei Antennen

📡 DMR-Hotspot für Funkamateure: Ihr Tor zur Welt: Funken Sie vom Wohnzimmer aus mit Funkamateuren am anderen Ende der Welt, mit einem DMR-Handfunkgerät und einem Kästchen, das nicht grösser ist als ein Kartenspiel. Ein DMR-Hotspot verbindet Ihr Digitalfunkgerät mit dem Internet und den weltweiten Netzen Brandmeister und TGIF. Ein Relais in Reichweite ist nicht mehr nötig. Dieser Leitfaden behandelt das DMR-Protokoll, die Hardware, die Installation Schritt für Schritt und die Konfiguration der Talkgroups für die Schweiz.

>200k DMR-Nutzer weltweit
2 Grosse Netze (BM & TGIF)
~100 CHF Gesamtkosten des Hotspots
🌐 Reichweite: weltweit

📡 Was ist DMR?

DMR (Digital Mobile Radio) ist ein digitaler Standard der ETSI (Norm TS 102 361). Ursprünglich für den professionellen Funk entwickelt, wurde er dank seiner Robustheit, seiner Audioqualität und seiner Spektrumeffizienz von Funkamateuren breit übernommen.

Technische Grundlagen von DMR

DMR verwendet die Modulation 4FSK und die Technik TDMA (Time Division Multiple Access), um einen 12.5-kHz-Kanal in zwei unabhängige Zeitschlitze aufzuteilen. Zwei gleichzeitige Gespräche auf derselben Frequenz verdoppeln die Kapazität gegenüber analogem FM. Das Audio wird mit AMBE+2 bei 3600 bps komprimiert und bietet eine mit FM vergleichbare Qualität bei halber Bandbreite.

Schlüsselbegriffe von DMR

🕒 Timeslots (TS1 / TS2)

Jede DMR-Frequenz ist in zwei Zeitschlitze von 30 ms aufgeteilt. TS1 dient meist den regionalen/nationalen TG, TS2 den lokalen TG und Privatanrufen. Bei einem persönlichen Hotspot ist diese Unterscheidung weniger wichtig.

👥 Talkgroups (TG)

Eine Talkgroup ist ein virtueller «Raum», der durch eine Nummer gekennzeichnet ist: TG228 = Schweiz, TG91 = weltweit englisch, TG9 = lokal. Betriebsarten statisch (immer aktiv) oder dynamisch (durch Drücken der PTT aktiviert).

🎨 Color Codes (CC)

Entspricht CTCSS/DCS im Analogbetrieb. Verhindert Störungen zwischen benachbarten Relais. Werte: CC0 bis CC15. Standard: CC1. Funkgerät und Hotspot müssen denselben CC verwenden.

📄 DMR-ID

Eindeutige numerische Kennung, vergeben von RadioID.net und an Ihr Rufzeichen gebunden. Wird im Funkgerät und im Hotspot programmiert. Schweizer IDs beginnen mit 228.

Vergleich der Digitalmodi

Vergleich der drei wichtigsten digitalen Protokolle:

MerkmalDMRC4FM (Yaesu System Fusion)D-STAR
Modulation4FSK / TDMAC4FM / FDMAGMSK / FDMA
Bandbreite12.5 kHz (2 Timeslots)12.5 kHz6.25 kHz
HauptnetzBrandmeister, TGIFYSF, FCS, Wires-XREF, XLX, DCS
Anzahl Nutzer>200'000~80'000~100'000
Einstiegspreis Funkgerät~100 CHF (Retevis RT3S)~300 CHF (Yaesu FT-70DE)~350 CHF (Icom ID-52E)
HerstellerAnytone, TYT, Retevis, Hytera, MotorolaNur YaesuIcom, Kenwood

💡 Gut zu wissen: Der grosse Vorteil von DMR sind die günstigen Einstiegskosten. Da das Protokoll ein offener Standard (ETSI) ist, bieten viele Hersteller kompatible Geräte an, was die Preise drückt. Ein Retevis RT3S kostet weniger als 100 CHF, gegenüber 300+ CHF für ein C4FM- oder D-STAR-Einsteigergerät.

📡 Was ist ein DMR-Hotspot?

Ein DMR-Hotspot ist ein kompaktes persönliches Mini-Relais. Er empfängt das UHF-Signal Ihres DMR-Funkgeräts (Reichweite: einige Meter bis einige Dutzend Meter) und leitet es über das Internet an die weltweiten Netze weiter, und umgekehrt. Drei Komponenten:

  • Ein Kleinstrechner (Raspberry Pi Zero 2W, Pi 3B+, Pi 4), auf dem die Gateway-Software läuft
  • Eine MMDVM-Platine (Multi-Mode Digital Voice Modem) für Senden/Empfangen auf UHF 430-440 MHz
  • Eine Software: Pi-Star, WPSD oder OpenSpot zur Steuerung der Netzverbindungen

MMDVM bezeichnet das Open-Source-Funkmodem von Jonathan Naylor (G4KLX). Es unterstützt alle Digitalmodi: DMR, C4FM, D-STAR, P25, NXDN und M17, und macht Ihren Hotspot damit multimodefähig.

Simplex vs. Duplex

🔼 Simplex (Single Hat)

Eine einzige Frequenz, abwechselnd TX/RX. Ein Timeslot gleichzeitig. Reicht für den persönlichen Gebrauch. Preis: ~20-40 CHF.

🔽 Duplex (Dual Hat)

Zwei getrennte Frequenzen für TX und RX, zwei gleichzeitige Timeslots. Funktioniert wie ein Mini-Relais. Preis: ~40-80 CHF.

💡 Simplex oder Duplex? Für den persönlichen Gebrauch als DMR-Hotspot reicht ein Simplex-Modul völlig aus. Duplex bringt nur dann einen Vorteil, wenn man ein vollständiges Relais mit zwei gleichzeitigen Timeslots nachbilden will.

Warum einen DMR-Hotspot verwenden?

🌐 Weltweite QSO

Funken Sie mit Stationen in Australien, Japan oder Südamerika, ganz ohne Richtantenne. Der Hotspot leitet Ihr Signal über das Internet an mehr als 5'000 Brandmeister-Relais weltweit.

💰 Minimale Kosten

Pi Zero 2W (~20 CHF) + MMDVM-Platine (~30 CHF) + Gehäuse + Netzteil = weniger als 100 CHF. Dazu ein DMR-Einsteigergerät, und los geht es.

💻 Portabel

Der Hotspot passt in die Handfläche, braucht weniger als 2W und läuft an einer USB-Powerbank. Ideal beim Camping oder auf Reisen mit einem WLAN-Hotspot vom Smartphone.

📡 Ohne Relais

Kein DMR-Relais in Ihrer Region? Der Hotspot ersetzt es, indem er Ihr Funkgerät direkt mit dem weltweiten Netz verbindet, unabhängig von der lokalen Infrastruktur.

🔧 Benötigte Hardware

Gesamtbudget: 70-150 CHF je nach Optionen (ohne das DMR-Funkgerät).

Wichtigste Komponenten

  • Raspberry Pi Zero 2W: integriertes WLAN (empfohlen) oder Pi 3B+/Pi 4
  • MMDVM-Platine: Simplex oder Duplex, SMA-Antenne
  • microSD-Karte: mindestens 8 GB, Klasse 10
  • USB-Netzteil: mindestens 5V / 2.5A
  • Gehäuse: 3D-gedruckt oder aus Aluminium
  • DMR-Funkgerät: DMR-fähiges Hand- oder Mobilgerät

Empfohlene MMDVM-Platinen und Kits

ProduktTypRichtpreisBemerkungen
MMDVM Simplex HS HatSimplex~25-35 CHFGPIO auf Pi Zero 2W. SMA-Antenne. Am beliebtesten.
MMDVM Duplex HS HatDuplex~45-70 CHFZwei Funkmodule (TX+RX). Für Fortgeschrittene.
JumboSpotSimplex~30-45 CHFKompaktes All-in-one mit OLED-Display.
ZUMspotSimplex / Duplex~55-90 CHFAusgezeichnete Qualität. USB-Version erhältlich.
EuroNode MMDVMSimplex / Duplex~40-60 CHFEuropäische Herstellung. Kompatibel mit Pi Zero/3/4.
Komplettkit Pi Zero 2WSimplex-Kit~70-100 CHFPi + Hat + Gehäuse + microSD + Netzteil.
SharkRF OpenSpot 4 ProAll-in-one~250-300 CHFBetriebsbereit, ohne Pi. Touchscreen. Premium.

💡 Empfohlene kompatible DMR-Funkgeräte:

• Anytone AT-D878UVII Plus: Die Referenz im Amateur-DMR. Dualband, GPS, Bluetooth, APRS. ~250-300 CHF.
• TYT MD-UV390: Robustes Handfunkgerät nach IP67 (wasserdicht). Dualband DMR/FM. ~130-160 CHF.
• Retevis RT3S: Ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis für den Einstieg. ~80-100 CHF.
• Hytera PD785: Professionelle Qualität. Hervorragendes Audio. ~200-250 CHF (Occasion).
• Radioddity GD-77: Beliebt wegen der Firmware OpenGD77 (Open Source). ~80-100 CHF.

💻 Installation mit Pi-Star / WPSD

Die Installation eines DMR-Hotspots ist dank Pi-Star und WPSD (W0CHP PiStar Dashboard) einfach. WPSD ist ein verbesserter Fork von Pi-Star: moderne Oberfläche, häufige Updates, bessere Hardwareunterstützung.

Schritt für Schritt: Inbetriebnahme

  1. WPSD-Image herunterladen: Laden Sie auf wpsd.radio das Image für Ihren Raspberry Pi herunter (Pi Zero 2W, Pi 3/4).
  2. microSD-Karte flashen: Verwenden Sie balenaEtcher oder den Raspberry Pi Imager, um das Image auf die microSD (mindestens 8 GB) zu schreiben.
  3. WLAN konfigurieren: Erstellen Sie für den Pi Zero 2W (ohne Ethernet) eine Datei wpa_supplicant.conf auf der Partition boot mit Ihrer SSID und Ihrem Passwort.
  4. Zusammenbauen und starten: Setzen Sie die microSD ein, stecken Sie die MMDVM-Platine auf den GPIO und schliessen Sie das USB-Netzteil an. Erster Start: 2-3 Minuten.
  5. Weboberfläche öffnen: Öffnen Sie http://wpsd.local/ in einem Browser. Standard-Zugangsdaten: pi-star / pi-star.
  6. Konfigurationsassistent: Geben Sie Ihr Rufzeichen (z. B. HB9HPG), Ihre DMR-ID, die Frequenz (z. B. 434.000 MHz) und den Color Code (CC1) ein.
  7. DMR-Netz: Wählen Sie DMR Gateway, den Server BM_2282_Switzerland, und geben Sie Ihr Hotspot Security Password ein (erstellt auf brandmeister.network).
  8. MMDVM-Modem: Wählen Sie STM32-DVM HS Hat (GPIO). Stellen Sie die Sendeleistung auf das Minimum (Reichweite = Ihr Zimmer).
  9. Funkgerät programmieren: Erstellen Sie mit der CPS-Software des Herstellers einen Kanal mit derselben Frequenz, Color Code CC1 sowie gewünschtem Timeslot und Talkgroup.
  10. Testen!: Drücken Sie die PTT. Kontrollieren Sie im WPSD-Dashboard und auf brandmeister.network → «Last Heard».

✅ Gratulation! Ihr Hotspot ist betriebsbereit. Hören Sie TG91 (weltweit), funken Sie mit Schweizer Stationen auf TG228 oder treten Sie einer beliebigen TG bei. Konfiguration: etwa 15-30 Minuten.

🌐 DMR-Netze: Brandmeister vs. TGIF

Ihr Hotspot kann sich mit dem einen oder dem anderen Netz verbinden (oder über das DMR Gateway mit beiden).

🔹 Brandmeister

Das grösste Amateur-DMR-Netz: 5'000+ Relais, 200'000+ Nutzer. Schweizer Server: BM 2282. Weboberfläche mit Echtzeitkarte, Hoseline zum Mithören, statische und dynamische Talkgroups.

brandmeister.network

🔸 TGIF

The Global Information Forum: stark wachsendes alternatives Netz (~30'000 Nutzer). Dezentraler Ansatz, thematische Talkgroups, einfache Konfiguration.

tgif.network

Beliebte Talkgroups für die Schweiz

Die meistgenutzten Talkgroups auf Brandmeister:

TGNameTSBeschreibung
TG 228SchweizTS1National Schweiz. Am aktivsten für HB9/HB3. DE/FR/IT.
TG 2280DeutschschweizTS1Regional Deutschschweiz. Schweizerdeutsch/Deutsch.
TG 2281RomandieTS1Regional Westschweiz. Französisch. Ideal für die HB9-Clubs.
TG 2282Italienische SchweizTS1Regional Tessin und Italienischbünden.
TG 2283Rätoromanische SchweizTS1Rätoromanische Gemeinschaft Graubündens (wenig aktiv).
TG 91WorldwideTS1Weltweit englisch. Rund um die Uhr sehr aktiv.
TG 9LokalTS2Nur lokal (Ihr Hotspot). Tests und private QSO.
TG 9990Parrot / EchoTS2«Papagei»: wiederholt Ihre Aussendung. Audiotest.
TG 208FrankreichTS1Frankreich. Interessant für französischsprachige HB9.
TG 262DeutschlandTS1Deutschland. Verbindungen mit DB/DL/DH/DJ.
TG 222ItalienTS1Italien. Verbindungen mit I/IZ/IU.
TG 113Worldwide FRTS1Weltweit französischsprachig. F, HB9, ON, VE2, französische Überseegebiete.

⚠️ Achtung: DMR-ID obligatorisch! Beantragen Sie vor dem Senden eine kostenlose DMR-ID auf radioid.net (Format 228xxxx für die Schweiz, an Ihr HB9/HB3-Rufzeichen gebunden). Dauer: 1-3 Tage. Ohne DMR-ID werden Sie von den Netzen Brandmeister und TGIF abgewiesen. Registrierung: radioid.net/account/register mit Ihrem Rufzeichen und einer Kopie Ihrer BAKOM-Lizenz.

⚙️ Konfiguration der Talkgroups

Es gibt zwei Methoden für den Zugang zu Talkgroups: statisch (immer aktiv) und dynamisch (bei Bedarf aktiviert).

Statische Talkgroups

Statische Talkgroups werden in der Brandmeister-Oberfläche Self-Care konfiguriert und bleiben dauerhaft aktiv. Melden Sie sich auf brandmeister.network → SelfCare an, suchen Sie Ihren Hotspot (DMR-ID + 01) und fügen Sie die gewünschten TG hinzu (z. B. TG228 auf TS1).

💡 Empfehlung: Beschränken Sie sich auf höchstens 2-3 statische Talkgroups. Jede statische TG erzeugt laufend Verkehr. Nutzen Sie für sehr aktive Gruppen wie TG91 lieber dynamische TG.

Dynamische Talkgroups

Sie werden vorübergehend aktiviert, wenn Sie mit der gewählten TG die PTT drücken. Nach 15 Minuten ohne Aktivität wird die TG deaktiviert. Das ist die flexibelste Methode: ein Kanal pro Talkgroup in Ihrem Funkgerät, Kanal wechseln, um die TG zu wechseln.

Talkgroups im Funkgerät programmieren

Programmieren Sie jeden Kanal mit der CPS-Software (Customer Programming Software) des Herstellers:

ParameterBeispielwert
Frequenz TX/RX434.000 MHz (gleich wie der Hotspot, Shift = 0 im Simplexbetrieb)
Color CodeCC1 (muss mit dem Hotspot übereinstimmen)
TimeslotTS2 (Simplex) oder TS1/TS2 (Duplex)
Kontakt / TG228 (Schweiz): ein Kanal pro Talkgroup
AnruftypGroup Call (bei TG immer)
Admit CriteriaColor Code Free
RX Group ListAlle TG, die Sie empfangen möchten

Wählen Sie eine freie Frequenz im UHF-Band 430-440 MHz und meiden Sie Relaisfrequenzen.

💡 Tipp: erst hören, dann senden! Mit Brandmeister Hoseline können Sie jede Talkgroup live im Browser mithören. Ideal, um aktive TG zu entdecken, Ihre Aussendung zu kontrollieren und Ihr Audio über TG 9990 (Parrot) zu testen.

🇨🇭 Schweiz: DMR in Helvetien

Das sollten Sie wissen, um in der Schweiz einen DMR-Hotspot zu betreiben.

DMR-Relais in der Schweiz

Die Schweiz zählt rund dreissig DMR-Relais, die meisten mit Brandmeister verbunden, und deckt Zürich, Bern, Genf, Basel und das Tessin ab. Die vollständige Liste finden Sie auf uska.ch und auf der Brandmeister-Karte (Region 228).

USKA und BAKOM

Die USKA (Union Schweizerischer Kurzwellen-Amateure) koordiniert die Relaisfrequenzen in der Schweiz und veröffentlicht Informationen zu den Digitalmodi in der Zeitschrift HBradio. Das BAKOM erteilt die Lizenzen HB9 (CEPT) und HB3 (Einsteiger). DMR ist mit einer gültigen Lizenz auf den VHF/UHF-Bändern erlaubt.

Schweizer Brandmeister-Server

Eigener Server: BM 2282 (BM_2282_Switzerland, Port 62031). Richten Sie Ihr Hotspot Security Password auf brandmeister.network/selfcare ein. Die Schweizer Administratoren erreichen Sie über die Regionalgruppe 228.

Empfohlene Schweizer Talkgroups

Für den DMR-Einstieg in der Schweiz empfehlen wir folgende Konfiguration:

🇨🇭 TG 228

Schweiz national: statisch, um dauernd verbunden zu bleiben.

🇫🇷 TG 2281

Romandie: Gespräche auf Französisch mit den HB9-Clubs.

🌐 TG 91

Worldwide: dynamisch für internationale QSO.

💡 HB9-Tipp: Nehmen Sie an der DMR-Runde der Romandie auf TG 2281 teil, um Ihren Hotspot zu testen und andere Schweizer OM kennenzulernen. Den Kalender finden Sie auf der Website Ihrer lokalen USKA-Sektion.

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