🌙 Der Amateurfunk bereitet seine Reise zum Mond vor
Nach über 25 Jahren erfolgreicher Funkverbindungen mit der Internationalen Raumstation zielt die Organisation ARISS nun viel weiter: auf den Mond. Zusammen mit der AMSAT hat sie die Initiative AREx (Amateur Radio Exploration) lanciert, um den Amateurfunk in künftige Mondmissionen einzubinden. Während die Menschheit mit dem Programm Artemis zum Mond zurückkehrt, mischt das Hobby der Funkwellen beim Weltraumabenteuer mit.
🔗 Zu diesem Artikel: Wir haben uns von einem Artikel von John (DK9JC) auf dk9jc.de inspirieren lassen, den wir übersetzt und stark ergänzt haben (Geschichte von ARISS, Details zu AREx und CAVIAR, Lunar Gateway, Besatzung von Artemis II, Quellen NASA und AMSAT). Danke an DK9JC für die Entdeckung.

Seit 25 Jahren ermöglicht ARISS Schülerinnen und Schülern, live mit den Astronauten der ISS zu sprechen. (Foto: NASA Goddard, CC BY 2.0)
🛰️ ARISS: 25 Jahre Funk im Weltraum
ARISS (Amateur Radio on the International Space Station) ist eine internationale Organisation von Freiwilligen, gegründet 1996, die Amateurfunkstationen an Bord der ISS betreibt. Ihre Hauptaufgabe: Schülerinnen und Schülern aus aller Welt zu ermöglichen, per Funk live mit den Astronauten im Orbit zu sprechen. Seit dem ersten Schulkontakt im Dezember 2000 haben so über 100 Besatzungsmitglieder mit mehr als 250'000 Teilnehmenden am Boden gesprochen.
Der Weltraum-Amateurfunk ist sogar noch älter: 1983 wurde Owen Garriott (W5LFL) an Bord des Space Shuttles Columbia im Rahmen des Experiments SAREX zum ersten Funkamateur, der aus dem Weltraum funkte. Eine Tradition des Experimentierens, die nie abgerissen ist.
⚠️ Die ISS hat ein Ablaufdatum: Die Raumstation soll um 2030 aus der Umlaufbahn gebracht werden. ARISS muss daher die Zeit nach der ISS vorbereiten, in der staatlichen wie in der kommerziellen Raumfahrt. Der Mond ist der logische nächste Schritt.
📡 AREx: Amateurfunk in den fernen Weltraum
An der Hamvention 2026 (dem weltweit grössten Amateurfunktreffen, in Xenia, Ohio) hat ARISS zusammen mit der AMSAT die Gründung von AREx: Amateur Radio Exploration offiziell bekanntgegeben. Das Ziel ist klar: Amateurfunksysteme für den fernen Weltraum entwickeln und betreiben, zuerst zum Mond, dann zum Mars.
AREx ist kein Einzelprojekt, sondern ein echtes internationales Konsortium mit Teams in den USA (University of Southern California, Dayton), im Vereinigten Königreich (Station Goonhilly), in Deutschland und in Polen, unterstützt von den AMSAT-Sektionen (AMSAT-NA, AMSAT-UK, AMSAT-DL) und der Kanadischen Weltraumagentur (CSA).
«Viele Ideen befinden sich noch im Konzeptstadium. Aber sie zeigen, was moderne Amateurfunktechnik heute alles möglich macht.»
Laut ARISS, Hamvention 2026
🎥 CAVIAR: Sprache, Daten, Bilder und Video vom Mond
Das technische Herzstück von AREx trägt einen köstlichen Namen: CAVIAR, für Communications, Audio, Video, Imaging using Amateur Radio. Es gibt bereits einen relativ ausgereiften Hardware-Prototyp. Die Idee: Jugendlichen ein aktives Eintauchen in die Monderkundung bieten, mit der Möglichkeit, mit den Astronauten zu kommunizieren, während diese ihre Arbeiten ausführen, und Bilder und Videos aufzunehmen, genau wie es heute von der ISS aus gemacht wird.
🗣️ Sprache und Daten
Sprach- und Datenverbindungen über grosse Distanz zwischen dem Mond und einem Netz von Bodenstationen.
🖼️ Bilder und Video
Die Übertragung von Bildern und Videostreams, um die Monderkundung hautnah mitzuerleben.
📶 SHF-Bänder
Vorgesehene Verbindungen auf 5 GHz und 10 GHz, unterstützt durch ein Netz von Bodenstationen.
🎓 Bildung
Im Geist von ARISS: Jugendliche für Naturwissenschaften, Technik und Funk begeistern.
🌙 Eine technische Herausforderung: mit dem Mond sprechen

Künstlerische Darstellung des Lunar Gateway, der künftigen kleinen Station der NASA und ihrer Partner in der Mondumlaufbahn. (Bild: NASA, gemeinfrei)
AMSAT und ARISS arbeiten insbesondere an einem Amateurfunksystem für das Lunar Gateway, die kleine Station, welche die NASA und ihre Partner in eine Umlaufbahn um den Mond bringen werden. Die Herausforderung ist gross: Im Vergleich zu einer Verbindung in niedriger Umlaufbahn (wie zur ISS) muss man mit einem zusätzlichen Signalverlust von rund 30 dB rechnen, da der Mond etwa tausendmal weiter entfernt ist. Erste Studien zur Linkbilanz zeigen jedoch, dass das Projekt mit heutiger Technik realistisch ist.
💡 30 dB, das ist enorm: Es entspricht einer 1000-fachen Dämpfung. Um sie auszugleichen, braucht es Antennen mit hohem Gewinn, sehr empfindliche Empfänger und robuste digitale Betriebsarten. Genau das ist das liebste Spielfeld der Funkamateure, die es gewohnt sind, winzige Signale aus dem Rauschen zu holen.
🚀 Artemis II: drei Funkamateure um den Mond
Die Verbindung zwischen Amateurfunk und Monderkundung ist bereits sehr konkret. Die Besatzung von Artemis II, die im April 2026 den ersten bemannten Flug des Raumschiffs Orion um den Mond absolvierte, zählte drei lizenzierte Funkamateure unter vier Mitgliedern:

Die Besatzung von Artemis II. Drei der vier Mitglieder sind Funkamateure. (Foto: NASA / Josh Valcarcel, gemeinfrei)
| Astronaut | Aufgabe | Rufzeichen |
|---|---|---|
| Reid Wiseman | Kommandant | KF5LKT |
| Victor Glover | Pilot | KI5BKC |
| Jeremy Hansen (CSA) | Missionsspezialist | KF5LKU |
| Christina Koch | Missionsspezialist | (nicht lizenziert) |
Für diesen Testflug war keine Amateurfunkausrüstung an Bord, doch zwei dieser Astronauten stehen bereits im Logbuch von ARISS, mit Schulkontakten von der ISS aus. Das verspricht schöne Perspektiven für die nächsten Missionen.
🎬 Artemis II im Video (NASA)
Zur Einordnung hier die offizielle Präsentation der Mission Artemis II durch die NASA, des Flugs, der zum ersten Mal seit Apollo wieder Menschen um den Mond gebracht hat.
📅 Amateurfunk im Weltraum, einige Meilensteine
🇨🇭 Und von der Schweiz aus? Mit dem Mond sprechen können wir schon
Keine Sorge: Die Funkamateure haben nicht auf Artemis gewartet, um den Mond ins Visier zu nehmen. Bei HB9V und überall in der Schweiz betreiben Begeisterte EME (Erde-Mond-Erde), das «Moonbounce»: Sie lassen ihre VHF-, UHF- oder Mikrowellensignale an der Mondoberfläche reflektieren, um von einem Kontinent zum anderen zu kommunizieren. Das ist eine der anspruchsvollsten und lohnendsten Disziplinen des Hobbys.
Ebenso liegt es in der Reichweite einer bescheidenen Station, die ISS zu kontaktieren oder Amateurfunksatelliten zu dekodieren. Die Projekte AREx und CAVIAR eröffnen die Perspektive, einen Schritt weiter zu gehen: nicht mehr Signale am Mond reflektieren, sondern dort eine Amateurfunkstation einrichten. Eine schöne Inspirationsquelle für junge Menschen, die sich auf ihre Lizenz HB3 oder HB9 vorbereiten.
✅ Ein grossartiges Labor: Wie die Geschichte von ARISS zeigt, bleibt der Amateurfunk ein einzigartiges Testfeld für Technologien der Weltraumkommunikation. Antennen, digitale Betriebsarten, kleine Leistungen: Was Amateure heute erproben, inspiriert die Systeme von morgen.
🚀 Verfolgen Sie das Abenteuer AREx
ARISS und die AMSAT dokumentieren den Fortschritt des Amateurfunks jenseits der Erdumlaufbahn. Ein Projekt, das man genau verfolgen sollte.
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📖 Quellen: Originalartikel von John DK9JC (dk9jc.de). ARISS International, AMSAT, ARRL, Amateur Radio Newsline, NASA (Programm Artemis). Bilder: NASA / NASA Goddard (gemeinfrei und CC BY 2.0), Wikimedia Commons. Video: NASA (YouTube).






